Composer in Residence

Bernat Vivancos


© Anna Madrid

Die musikalische Persönlichkeit von Bernat Vivancos (*1973 in Barcelona) wurde maßgeblich durch die Eindrücke aus seiner Schulzeit im Kloster Monserrat geprägt. Als Sohn einer hochmusikalischen Familie beendete er seine Studien in Klavier und Komposition zunächst bei Maria Canals und David Padrós in Barcelona und siedelte dann nach Paris über, wo er Komposition, Orchestration und Musikanalyse am Conservatoire Supérieure de Musique – Zentrum für zeitgenössische europäische Musik – bei den Professoren Guy Reibel, Frédéric Durieux, Marc-André und Alain Dalvabie-Louvier studierte und abschloss.

Das Jahr 2000 wurde zu einem Wendepunkt in seiner Karriere, er entdeckte die Musik des norwegischen Komponisten Lasse Thoresen und zog nach Oslo, um dort sein Studium zu vertiefen. Dies hat seine musikalische Ausrichtung und zukünftige Arbeit wesentlich geprägt. Danach enthält Vivancos Stil Elemente, die sein Werk einzigartig machen: Ein Musikklang voller Farben und Texturen, modale Musik, die der westlichen Tradition und der Suche nach einer Spiritualität auf der Grundlage einer aufgefächerten harmonischen Inspiration entspricht. Diese beiden grundlegenden Aspekte repräsentieren den starken Einfluss der Natur in der Arbeit von Vivancos: Natur als Wurzel und Boden, Symbol der Tradition, aber auch als Präsenz, die sich konsequent in den physikalischen Eigenschaften des Klangs manifestiert.

Seit 2003 ist er Professor für Komposition und Orchestrierung am Catalonia College of Music (ESMUC). Diese Stelle kombiniert er mit seinen Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der Komposition und nimmt als Mitglied der Jury an internationalen Orchestrierungs- und Kompositionswettbewerben teil. Von 2007 bis 2014 war er Musikdirektor des Chores von Montserrat. Von 2014 bis 2015 war er Composer in Residence, gemeinsam mit Arvo Pärt, im Palau de la Música Catalana (Barcelona).

Er hat mehrere CDs veröffentlicht, darunter „Blanc“ (von Kritikern als bestes Album des Jahres 2011 mehrfach ausgezeichnet) und „Requiem“ (2015), die beide vom berühmten lettischen Radiochor unter der Leitung von Sigvard Klava (Neu Records) produziert wurden.

Vivancos‘ Musik, voll von klaren Klängen, ekstatischen Harmonien und Resonanzen nordischer Leuchtkraft, zielt darauf ab, Schönheit, Sinnlichkeit und Spiritualität zu vereinen. Es ist bereits eine breite Palette von Vokal- und Instrumentalwerken mit besonderem Augenmerk auf die Orchesterproduktion von ihm entstanden und Vivancos erhält Kompositionsaufträge von zahlreichen internationalen Ensembles.

Seine offene und zeitlose Musik hat sogar das Interesse von Sängerinnen wie Rosalia und Jennifer López geweckt, mit denen er bei verschiedenen Projekten zusammengearbeitet hat.

Daniele Ghisi


© Deborah Lopatin

Der aus der Lombardei stammende Komponist und Mathematiker zeichnet wie bereits 2016 für das 31. Auftragswerk des Festivals für Streichorchester und Liveelektronik verantwortlich, das beim Festkonzert 30. Internationale Fredener Musiktage am 1.8.2021 zweimal zu hören sein wird. Die Durchdringung von Tonkunst und Elektroakustik ist Ghisis Spezialität; dabei durchbricht der 1984 geborene Italiener mit der Verwendung von Videos teilweise gar die Grenzen der Komposition hin zum multimedialen Werk.

Von 1997 bis 2007 studierte Ghisi Komposition, zudem absolvierte er 2007 und 2013 Masterstudiengänge in Mathematik und besuchte Meisterklassen bei Pierluigi Billone, Alessandro Solbiati, Azio Corghi, bei George Benjamin und dem Ensemble Modern Frankfurt und besonders bei Helmut Lachenmann. Als „Composer in Residence“ erhielt Ghisi 2009 ein Stipendium der Akademie der Künste Berlin und 2011 bis 2012 der „Academie de France en Espagne“ in Madrid. Zu den mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Kompositionen Ghisis gehören unter anderem Auftragswerke des Mailänder Divertimento Ensembles, des „Play’it-Festivals“ und der Fondation Royaumont. Seit 2014 lehrt Ghisi Computer Music am Conservatorio Torino.

Die Arbeit mit Zahlen ist für den Komponisten ebenso ästhetisch wie die mit Noten: Beide Künste sind für Ghisi – wie schon für die Philosophen der griechischen Antike – ein Schlüssel zum Weltverständnis.