»America Latex« Marina Camargo

Ausstellung in der Zehntscheune

Marina Camargo

Wir freuen uns auf die Ausstellung „Weit von hier“ mit Arbeiten der Künstlerin Marina Camargo, die vom 29.07.-07.08.2022 in der Zehntscheune vor, nach und in den Pausen der Konzerte in der Zehntscheune zu sehen sein werden. Am 02.08.22 wird es vor dem Konzert des Fracanapa Tango Quintets um 18 Uhr eine Werkeinführung in der Zehntscheune geben.

Marina Camargo wurde in Maceió (Brasilien) geboren und lebt in Berlin (Deutschland). Sie hat einen Bachelor- und Masterabschluss in Bildender Kunst vom Instituto de Artes in Porto Alegre (Universidade Federal do Rio Grande do Sul – UFRGS, Brasilien). Seit den ersten Jahren prägt ein erweiterter Begriff der Zeichnung ihre Forschung. Bild und Gedanke konstituieren sich gegenseitig und strukturieren so den Prozess der künstlerischen Arbeit selbst. Kartografische Fragen begannen sie zu interessieren, als sie in Barcelona studierte (Visuelle Kultur an der Universitat de Barcelona, Spanien). Seitdem taucht das Gefühl der physischen Verlagerung immer wieder in ihrem Werk auf.

Im Jahr 2010 erhielt Camargo ein DAAD-Stipendium, um bei Peter Kogler an der Akademie der Bildenden Künste in München zu studieren, wo sie später ihr Diplom erhielt. Die Erforschung unterschiedlicher Landschaftsperspektiven und Darstellungen von Orten war ein zentraler Teil ihrer Forschung während dieser Jahre.

Ihre Werke sind unter anderem in den Sammlungen des Museu de Arte do Rio (MAR), des MARGS (Museu de Arte do Rio Grande do Sul), des Centro Cultural São Paulo (CCSP), des MAC-RS (Museum of Contemporary Art – Rio Grande do Sul), des Museu de Arte Moderna Aloisio Magalhães (MAMAM) und des Casa de Cultura Mário Quintana zu sehen.

 

Weit von hier – Marina Camargo

Amerika-Latex (nach dem Extraktivismus)

Die lateinamerikanische Kartografie wird mit einer weichen Karte aus Latex, einem flexiblen und elastischen Material, dargestellt. Die dünne Dicke des verwendeten Latex verleiht dem Werk einen körperlosen Charakter, obwohl es seine charakteristische Elastizität und Leichtigkeit beibehält.
In America-Latex erscheinen die Formen der lateinamerikanischen Geografie wie eine von der Oberfläche abgezogene Haut, als wäre sie eine Karte ohne Grundlage. Die Wahrnehmung einer Kartografie, die einem unbekannten Substrat entnommen zu sein scheint, einer Zeichnung, der man ihren Körper entzogen und verschoben zu haben scheint.
Der Titel der Arbeit ist ein Wortspiel mit Lateinamerika, Latinx, Latexamerika (America-Latex). Es ist wichtig, darauf zu achten, dass das Material, aus dem die Arbeit hergestellt wurde, im Titel erwähnt wird, da es sowohl für die physische Präsenz von Latex in der Arbeit als auch für die historische Bedeutung des lateinamerikanischen Rohstoffs von Bedeutung ist.
Die Herstellung von Latex verweist unweigerlich auf die Geschichte der Ausbeutung dieses Rohstoffs in Südamerika.
Latex (das sich nach der Verarbeitung in Naturkautschuk verwandelt) stammt ursprünglich aus Südamerika und wird aus Pflanzen wie Hevea Brasiliensis und Seringueira, den einheimischen Pflanzen des Amazonas, gewonnen. Obwohl die Ausbeutung des Kautschuks auf die Zeit vor der Kolonisierung Lateinamerikas zurückgeht, wurde er erst Jahrhunderte später systematisch ausgebeutet.
Die Ausbeutung von Kautschuk stand im Mittelpunkt der Entwicklung Brasiliens ab Mitte des 19. Jahrhunderts (Kautschukzyklus) und ging zurück, nachdem Plantagen in Südwestasien durch den Schmuggel von Samen aus dem Amazonasgebiet in die englischen Kolonien entstanden waren.